Systemisches Konsensieren

Beim Systemischen Konsensieren geht es darum, aus verschiedenen Lösungsoptionen diejenige zu entwickeln, die den geringsten gemeinsamen Widerstand hat.

Systemisches Konsensieren

Zielsetzung

Das Systemische Konsensieren zielt darauf ab, Entscheidungen zu treffen, die von der Gruppe am besten getragen werden können. Statt nach der “beliebtesten” Lösung zu suchen, wird die Lösung mit dem geringsten Widerstand ermittelt. Dies führt zu höherer Akzeptanz und besserer Umsetzbarkeit, da die Meinungen aller – und auch von wenigen – berücksichtigt werden.

Darüber hinaus geht es darum, voneinander zu lernen: Wer hat bei welchen Dingen warum einen hohen Widerstand? Dieses Verständnis füreinander (Kontext Engineering) stärkt die Zusammenarbeit.

Teilnehmerzahl 2 bis unendlich
Dauer 30-60 Minuten

Ablauf

  1. Problemstellung definieren – Das zu lösende Problem oder die Fragestellung klar formulieren.
  2. Lösungsoptionen sammeln – Alle möglichen Lösungsoptionen werden gesammelt.
  3. Widerstandsskala – Die Skala ist fast immer 0-10 (0 = kein Widerstand, 10 = maximaler Widerstand). Optional kann ein Schwellwert festgelegt werden, ab wann ein Widerstand als Veto/No-Go zu werten ist.
  4. Widerstandspunkte eintragen – Jeder Teilnehmer trägt seine Widerstandspunkte auf einer Matrix ein. Die Matrix besteht aus Zeilen (Vorschläge) und Spalten (Personen/Beteiligte).
  5. Auswertung – Die Widerstandspunkte werden ausgewertet: Gesamtsumme berechnen, durchschnittlichen Widerstand ermitteln und Ausreißer markieren (besonders hohe und besonders niedrige Werte). Interessant ist zu sehen: Wer hat bei derselben Option einen niedrigen und wer einen hohen Widerstand – und warum?
  6. Diskussion – Über die Auffälligkeiten wird gesprochen, insbesondere wenn große Unterschiede zwischen den Widerständen sichtbar sind.
  7. Neue Optionen – Optional können sich aus der Diskussion weitere Vorschläge und Optionen ergeben.
  8. Abschluss – Der Moderator/Facilitator nimmt anhand der Diskussion die Rolle des finalen Vorschlaggebers ein und schlägt der Gruppe vor, welche Option genommen wird. Dies wird im Konsentverfahren gemeinsam verabschiedet.

Beispiel: Wohin wollen wir essen gehen?

Option Anna Lisa Tom Max Summe Ø
Italienisch 2 3 2 3 10 2,5
Asiatisch 1 9 2 2 14 3,5
Bürgerlich 5 4 6 7 22 5,5
Burger 8 2 7 2 19 4,75

Auswertung:

  • Gewinner: Italienisch mit der niedrigsten Gesamtsumme (10) und einem sehr ausgeglichenen Widerstandsprofil. Alle Beteiligten können diese Option gut mittragen.
  • Auffälligkeit bei Asiatisch: Lisa hat mit 9 einen sehr hohen Widerstand, während alle anderen nur 1-2 Punkte vergeben haben. Hier lohnt sich die Nachfrage: Hat Lisa eine Unverträglichkeit oder schlechte Erfahrungen gemacht? Diese Information hilft der Gruppe, Lisas Perspektive zu verstehen.
  • Polarisierung bei Burger: Anna (8) und Tom (7) haben hohen Widerstand, Lisa (2) und Max (2) niedrigen. Die Gruppe ist hier gespalten. Im Gespräch könnte sich zeigen: Anna und Tom achten auf gesunde Ernährung, während Lisa und Max Burger als unkomplizierte Option sehen.
  • Bürgerlich hat zwar keine extremen Ausreißer, aber insgesamt den höchsten Durchschnittswiderstand (5,5) – niemand ist wirklich begeistert.

Rollen

  • Moderator/Facilitator
  • Teilnehmer

Materialien

  • Widerstandsmatrix (Flipchart oder Whiteboard)
  • Stifte oder Marker
  • Abstimmungskarten oder Post-its

Raum-Setup

Tisch- oder Sitzkreis-Anordnung, bei der alle Teilnehmer die Widerstandsmatrix gut einsehen können.

Anwendungsbeispiele

  • Strategieentscheidungen in Unternehmen
  • Budgetverteilung zwischen Abteilungen
  • Standortwahl für Veranstaltungen
  • Beteiligungsprozesse

Quellen & Links

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